It's all about people.

Arbeitszeugnisse

Note „mangelhaft“ für Zeugnisse

notemangelhaftfürzeugnisse

Arbeitszeugnisse sind in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen Sie, weil sie bei Bewerbungen danach gefragt werden. Und sie haben einen Rechtsanspruch darauf, vom Arbeitgeber ein Zeugnis und sogar ein Zwischenzeugnis zu erhalten. Kann jemand im Bewerbungsverfahren keine Zeugnisse vorlegen, und sei es auch nur für einzelne Stationen seines Berufslebens, so entsteht schnell ein negativer Eindruck.

Dabei sind sich alle, die sich professionell mit Personalauswahl beschäftigen einig: Der Nutzen von Arbeitszeugnissen ist fragwürdig. Das beginnt schon damit, dass der Gesetzgeber den Unternehmen widersprüchliche Anweisungen zur Erstellung von Zeugnissen vorgibt. Einerseits sollen Zeugnisse wahrheitsgemäß verfasst sein, andererseits dürfen sie nicht negativ und zu Lasten des Arbeitnehmers formuliert sein. Fühlt sich ein Arbeitnehmer negativ beurteilt, kann er das Zeugnis sogar gerichtlich anfechten. Was aber soll man in das Zeugnis hineinschreiben, wenn es nichts Positives zu vermerken gibt?

Was soll uns dieses Zeugnis sagen?

Die Rechtsvorgaben haben zu der merkwürdigen Situation geführt, dass sich ein sogenannter „Zeugniscode“ entwickelt hat. Im Buchhandel sind sowohl für Personalexperten, als auch für Bewerber, zahlreiche Ratgeber verfügbar, die beschreiben, was man unter welcher Formulierung verstehen könnte. Das Problem hierbei ist, dass diese Ratgeber alle nicht einheitlich, damit letztendlich willkürlich sind und keine sichere Interpretation eines Zeugnisses für Unternehmen ermöglichen. Was etwa muss ein potenzieller Arbeitgeber darunter verstehen, wenn ein Bewerber als „gesellig“ beschrieben wird. Handelt es sich um einen Menschen, der im Kollegenkreis gut aufgenommen wird oder will jemand hinter dieser Formulierung einen Warnhinweis verbergen, dass der Mitarbeiter ein Alkoholproblem hat? Beide Fälle kommen im Alltag häufig vor. Denn wer nicht weiß, wie man Zeugnisse schreibt, kann alles gemeint haben. Dies gilt für Vorgesetzte oder Personalverantwortliche, noch mehr aber für Mitarbeiter selbst.

Denn in der Praxis wird die Aussagekraft von Zeugnissen oft auch dadurch ad absurdum geführt, dass Mitarbeiter vom Vorgesetzten aufgefordert werden, ihre Zeugnisse selbst einmal vorzuformulieren. Ein Effekt ist dabei das „Aufhübschen“ der eigenen Laufbahn, gerade bei Jüngeren, die vergleichsweise wenige eigene Leistungen vorzuweisen haben. Verbirgt sich hinter der „Leitung des Projektteams“ tatsächlich eine weitreichende, eigenverantwortliche Tätigkeit, oder wurde hier jemand mit administrativer Begleitung von Routinen beauftragt? Wer als Personalverantwortlicher solche Zeugnisformulierungen vorfindet, kann nicht wirklich feststellen, was jemand tatsächlich gemacht hat, oder wie oft und mit welchem Erfolg.

Was also kann ein Zeugnis überhaupt leisten?

Es gibt durchaus auch gute Zeugnisse, die einen gewissen Nutzwert haben. Ein gutes Zeugnis zeichnet sich beispielsweise dadurch aus, dass sowohl das Unternehmen als auch die vom Mitarbeiter ausgeführten Tätigkeiten umfassend und präzise beschrieben sind, so dass sich unternehmens- oder auch branchenfremde Personalverantwortliche ein erstes Bild vom Einsatzbereich und Leistungsvermögen eines Mitarbeiters machen können.

Ein gutes Zeugnis kann Anhaltspunkte für Fragen und Diskussionen im Laufe eines Bewerbungsprozesses liefern. Wie schätzt beispielsweise ein Mitarbeiter rückblickend seine Rolle in einem bestimmten Projekt ein? Welche Erfahrungen hat er gemacht, welche Schlüsse zieht er selbst für sich daraus?

Auch bei grenzübergreifenden Bewerbungen kann ein Zeugnis wichtige Hintergrundinformationen liefern, die sonst nicht ohne Weiteres zu beschaffen wären. Wie ist ein Unternehmen einer bestimmten Branche im Herkunftsland des Bewerbers strukturiert und organisiert? Welche Fähigkeiten waren in einem anderen Umfeld wichtig?

Allgemein lässt sich feststellen: Je professioneller die HR-Abteilung eines Unternehmens aufgestellt ist, desto belastbarer sind die dort ausgestellten Zeugnisse. Das Grundproblem bleibt jedoch. Aufgrund der rechtlichen Vorgaben lassen sich anhand des Zeugnisses alleine die sehr guten nicht von guten, und durchschnittliche nicht von problematischen Mitarbeitern unterscheiden.

Vor allem aber kann ein Zeugnis eine wesentliche Funktion nicht erfüllen, nämlich eine tragfähige Zukunftsprognose zu erstellen. Denn ein Zeugnis wird immer nur Vergangenheitswerte liefern, die maximal den Schluss zulassen, dass Mitarbeiter in einem ähnlichen Unternehmen bei einer ähnlichen Aufgabe ein ähnliches Ergebnis erbringen wird. Nicht gerade viel, in einer immer dynamischeren Arbeitswelt, wo sich Anforderungen in kürzester Zeit ändern können.

Die Note für das Zeugnis

Müsste man das Instrument Arbeitszeugnis selbst bewerten, so könnte man in Schulnoten ausgedrückt nicht einmal mehr ein „ausreichend“ vergeben, sondern müsste vielmehr feststellen, dass es auf ein „mangelhaft“ hinausläuft. Mit anderen Worten: Wer sich als Arbeitgeber auf Zeugnisse verlässt, der ist verlassen. Der Eindruck aus einem Zeugnis sollte nicht ein geordnetes Auswahlverfahren auf der Basis personalwissenschaftlicher Erkenntnisse ersetzen.

Dazu zählt in jedem Fall der persönliche Eindruck aus einem auf Basis des Anforderungsprofils strukturierten Gesprächs, bei dem zielgerichtet ein Verhalten abgefragt werden kann, das für die zu besetzende Position relevant ist. Dazu zählen auch Referenzen, die es einem Personalverantwortlichen ermöglichen, sich im direkten Kontakt mit einem bisherigen Vorgesetzten ein ausführlicheres Bild vom Bewerber zu machen. Und jedes Unternehmen tut gut daran, eignungsdiagnostische Verfahren einzusetzen, die sich auf die Persönlichkeitsstruktur von Bewerbern beziehen und eine valide Prognose zu zukünftigem Verhalten ermöglichen. Denn ob der Sehr gut-Mitarbeiter von gestern auch morgen in einer anderen Branche oder Position seine Note wiederholen kann, diese Frage wird ein Zeugnis nie beantworten können.

 

Mehr Informationen zu Mercuri Urval erhalten Sie unter:
www.mercuriurval.com/de/Countries/Deutschland/Unsere-Leistungen

Tagged as:

Categorised in: Allgemein, Deutschland

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

css.php