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„Im Blaumann auf Brautschau“

Blaumann

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, der Ausgangspunkt zahlreicher Innovationen und kann gerade unter dem Gesichtspunkt des nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolges so manches Großunternehmen spielend in die Tasche stecken. Und dennoch: Bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter tun sich viele Mittelständler schwerer als nötig, und blicken oft neidisch auf große Konzerne, denen die Bewerberinnen und Bewerber scheinbar massenhaft zulaufen. Dafür legen sich die großen Unternehmen allerdings richtig ins Zeug.

So ist es derzeit beispielsweise die Deutsche Bahn, die mit Fernsehspots, in zahlreichen anderen Medien und auf Veranstaltungen kräftig die Personal-Werbetrommel rührt.

Die Konzerne lieben es, ihre Größe als Ausdruck von Leistungsstärke und Gestaltungsmacht zu interpretieren. Und im ersten Moment erscheint es vielen Bewerbern tatsächlich so, als stünden ihnen bei diesen Unternehmen alle Türen und Wege offen. Die Arbeitsplätze sind attraktiv, die Menschen sind alle nett und die Aufgaben natürlich wichtig. Sowohl Aufwand als auch Machart solcher Personalwerbung lassen viele Mittelständler gleichermaßen beeindruckt zurück: „Gegenüber den Auftritten der Konzerne komme ich mir vor, als wäre ich im Blaumann auf Brautschau“, hat es einmal ein mittelständischer Manager auf den Punkt gebracht.

Eine besondere Zugkraft üben die großen Unternehmensmarken auf Absolventen und jüngere Arbeitnehmer aus, die wenig bis keine Berufserfahrung haben. Es ist vor allem die Vielfalt der Möglichkeiten, die junge Menschen sich zu Beginn ihres Berufslebens erhalten wollen. Sie glauben, durch eine zu frühe Festlegung auf ein kleines Unternehmen oder einen bestimmten Bereich im Berufsleben nicht gut vorankommen zu können. Hinzu kommen Vorurteile, die im einen oder anderen Fall vielleicht zutreffen, nicht jedoch auf die Masse der mittelständischen Unternehmen. Schlechtere Bezahlung, keine Personalentwicklung, wenig Interesse am Mitarbeiter und seinen Bedürfnissen, lauten oft gehörte Unterstellungen seitens der Bewerber.

Doch wie kann der Mittelstand bei solchen Vorzeichen punkten? Die Antwort ist verblüffend einfach – indem er darstellt, was er ist. Ein mittelständisches Unternehmen sollte gerade nicht versuchen, den Auftritt der Großunternehmen zu kopieren. Natürlich kann man sich das eine oder andere beim Handwerkszeug abschauen. Etwa Karriereseiten aufbauen, einen geordneten Bewerbungsprozess mit regelmäßigem Feedback aufsetzen und eine kontinuierliche Kommunikation pflegen. Aber am Ende geben die Beteiligten Menschen den Ausschlag, ob ein Bewerber sich für ein Unternehmen entscheidet, oder nicht. Und hier es gibt spezifisch mittelständische Eigenheiten, die wiederum ein Konzern gar nicht abbilden kann. So zum Beispiel der direkte Kontakt zur Geschäftsführung, vielleicht sogar zu Inhabern, die ein Unternehmen aufgebaut haben. Ein Zeichen von Wertschätzung, das man als Mittelständler bewusst setzen sollte. Bei Siemens oder Volkswagen wird ein Bewerber schwerlich den Vorstandsvorsitzenden zu Gesicht bekommen. Er wird auch nicht dieselbe menschliche Atmosphäre und Vertrautheit vorfinden, die er beim Mittelständler finden kann. In der praktischen Arbeit wird er nicht das hohe Maß an Gestaltungsspielraum vorfinden, das Konzerne zwar auch gerne versprechen, das im Mittelstand aber geradezu eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht sogar eine Notwendigkeit ist.

Nicht zuletzt gibt es zahlreiche Arbeitnehmer, die von sich aus eine hohe Bereitschaft zum Wechsel in den Mittelstand hätten, wenn man sie nur fragen würde.  Wer beispielsweise erste Berufserfahrungen gesammelt hat und sich nach ein paar Jahren weiter entwickeln will, der ist  im Mittelstand sehr gut aufgehoben. Und wenn Bewerber erst einmal „die inneren Werte“ des Mittelstandes erkennen, dann fällt der äußerliche Blaumann auch gar nicht mehr ins Gewicht.

 

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Categorised in: Allgemein, Deutschland

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