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Jung ins Ausland

Karrierekick oder Luxus?

Ist ein Auslandsaufenthalt wirklich in allen Branchen sinnvoll und wo und wie lange sollte man Berufserfahrung im Ausland sammeln?

In der persönlichen Karriereplanung gibt es gute Gründe, schon während oder kurz nach Beendigung des Studiums und damit zu Beginn der Berufskarriere eine Zeit lang ins Ausland zu gehen. Die meisten jungen Akademiker sind nämlich entweder noch ungebunden oder haben zumindest noch keine Familie gegründet, mit der der Schritt ins Ausland schwieriger wird. Grundsätzlich bieten sich zwei Zeitfenster dafür an: Die Phase zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium sowie die ersten zwei bis drei Jahre nach dem Einstieg in das Erwerbsleben. Wer das Glück hat, als Trainee in einem großen Unternehmen wie der Deutschen Bank oder Bayer Leverkusen zu starten, der wird meist schon im Rahmen des Traineeships für ein halbes Jahr in eine Auslandsfiliale geschickt, um sich dort zu bewähren.

Doch lohnt sich der Weg ins Ausland wirklich in jedem Fall? Bei bestimmten Berufsgruppen, wie etwa den Juristen und anderen Spezialisten auf Sachgebieten, die einer starken nationalen Regulierung unterliegen, ist er in der Regel nicht so dringend erforderlich. So ist beispielsweise das Verwaltungsrecht, mit dem sich zahlreiche Juristen später beschäftigen, von Land zu Land sehr unterschiedlich. Das bedeutet, dass mit dem im Ausland erworbenen Wissen bei der Rückkehr nach Deutschland nicht sehr viel angefangen werden kann. Es sei denn, man möchte sich auf die Beratung für ein bestimmtes Land spezialisieren. Arbeitsgebiete wie Finanzbuchhaltung und Controlling werden dagegen nach internationalen Standards geführt, sodass die im Ausland gewonnene Erfahrung auch später hilfreich ist. Das gilt auch für die Bereiche Produktion, Marketing und Vertrieb, in denen der Blick über den nationalen Tellerrand das Verständnis für das Sachgebiet vertieft.

Weil in Deutschland mit Ausnahme weniger Branchen wie etwa die Forstwirtschaft fast alle Unternehmen entweder einen hohen bis sehr hohen Exportanteil aufweisen oder auf für ihre Produktion auf Importe aus dem Ausland angewiesen sind, sind Kandidaten mit Auslandserfahrung für fast jedes Unternehmen interessante Bewerber. Das gilt nicht nur für große Unternehmen in Exportorientierten Branchen wie dem Maschinen- und Kraftfahrzeugbau sowie der Chemischen Industrie, sondern gerade auch für den Mittelstand. Denn während in den Konzernen viele Mitarbeiter über Auslandserfahrung verfügen, sind entsprechende Mitarbeiter in klein- und mittelständischen Unternehmen nicht so häufig anzutreffen. Das verschafft ihnen ein Alleinstellungsmerkmal und erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung oder den nächsten Karriereschritt.

Welche Länder für einen Auslandsaufenthalt besonders vorteilhaft sind, hängt vor allem stark vom jeweiligen Unternehmen ab – das sollten Bewerber immer berücksichtigen. In den 1980er- und 1990er-Jahren stand Berufserfahrung in den USA bei Unternehmen hoch im Kurs, heute sind für viele Unternehmen auch China und andere asiatische Länder interessantere Märkte, sodass entsprechende Erfahrungen dort für Unternehmen ein Gewinn sein können. Doch je nach Branche und Unternehmen können auch Aufenthalte in Brasilien oder Südafrika gut für die Karriere sein.

Wer als Berufseinsteiger die Hürde nimmt und die Organisation und Arbeitsprozesse in einem großen Unternehmen oder gar weltweit agierenden Konzern auch mal in einem anderen europäischen Land oder sogar auf einem anderen Kontinent kennengelernt hat, ist später auch in Mittelständischen Unternehmen gefragt. Die meisten Menschen, die in einer fremden Kultur gelebt und gearbeitet haben, empfinden dies als große Bereicherung und entwickeln ihre Persönlichkeit weiter. Und Persönlichkeit ist neben fachlicher Qualifikation heute entscheidend, wenn es um die Besetzung höherer Positionen in Unternehmen geht. In diesem Sinne kann ein Auslandsaufenthalt definitiv ein Karrierekick sein. Wichtig ist der Mehrwert, den er aus Sicht des Unternehmens bringt. Deshalb sollte der Aufenthalt mindestens ein halbes, wenn nicht sogar ein ganzes Jahr dauern. In Branchen, die international auf demselben Level arbeiten, kann er auch länger dauern.

 

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Categorised in: Allgemein, Deutschland

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